The lovegoeson.net Blog
06.08.2010Ein kleiner Break
An sich wollte ich heute einen Pressebericht veröffentlichen. Leider wurde der Text so nicht akzeptiert, was ich auch schon geahnt habe. Deshalb stelle ich ihn jetzt hier ein, nicht nur das die Arbeit dann nicht umsonst war, sondern so steht er allen Besuchern dennoch zur Verfügung. Ist ja ein Teil des Ganzen. Blogger, Jounralisten oder wer auch immer können ihn gerne kopieren, zitieren oder anderweitig nutzen:
Loveparade: Schuldfrage &
Verantwortung vs. Opfer
Klärung der
Schuldfrage offenbar wichtiger als schnelle Hilfe für alle Opfer
Seit der schrecklichen Katastrophe am 24.07.10 sind jetzt 14 Tage vergangen und erst am 03.08.10 wurde durch die Staatskanzlei mitgeteilt, dass die durch Frau Kraft zugesagte Soforthilfe (1 Mio.) des Landes NRW zur Verfügung gestellt wird (Hoffentlich wird nicht vergessen diese Steuergelder von den Verantwortlichen zurück zu fordern). Zuvor, am 29.07.10 informierte die AXA-Versicherung über die Einrichtung eines Soforthilfefonds (1 Mio.). Die 1 Millionen Euro würden jedoch nur den „Bedürftigen“ zur Verfügung stehen. Wer sich daher nicht in einer finanziellen Notlage befindet, geht anscheinend leer aus, so wird es kommuniziert, was der Pressemitteilung der Axa-Versicherung zu entnehmen ist (http://pressetext.com/news/100729025/).
Ist der Verlust eines Angehörigen weniger wert, wenn man sich nicht in einer finanziellen Notlage befindet? Schon respektlos gegenüber denjenigen die bei dieser „Überprüfung“ nicht als hilfebedürftig erachtet werden. Da muss im Rahmen der Beantragung die finanzielle Bedürftigkeit belegt und begründet werden. Unfassbar. Die Opfer sind bekannt, die Adressen der Hinterbliebenen auch. Diese Vorgehensweise erachte ich als perverse, diskriminierende Bürokratie.
Die Forderungen des Juristen Thomas Kämmer, Kanzlei Joachim (Graal-Müritz) empfinde ich hier als wesentlich zielführender (http://www.bild.de/BILD/news/2010/08/04/loveparade-tragoedie-nothilfe-fonds/zwei-millionen-euro-fuer-opfer-jurist-erklaert.html).
Insgesamt machte Frau Kraft eine bessere Figur bei der Umsetzung von Hilfsmaßnahmen, auch wenn es sich um Steuergelder handelt: So sollen jetzt auch die Verletzten und die psychosoziale Notfallversorgung berücksichtigt werden.
Bleibt zu hoffen, dass die Hürden so gering wie nur möglich gehalten werden.
Ein wesentlicher Beitrag im Angesicht der psychischen Belastung, nicht nur für die Angehörigen, den Verletzten, sondern auch für die vielen Besucher und derjenigen die an der Bergung der Toten, so wie an den lebensrettenden Sofortmaßnahmen beteiligt waren.
Die Ereignisse zur Loveparade wurden in vielen Blogs, Foren, Kondolenzseiten und den Gruppen, die sich zum Teil schon kurz nach Bekanntwerden des Unglücks gebildet haben, diskutiert. Sie boten die Möglichkeit des Austausches von Gedanken, Meinungen und Gefühlen, wurden ein Ventil für die Wut, Verzweiflung und Trauer.
Die NonMute Ltd. & Co KG initiierte im Rahmen ihres Internetportals STARvolution.net gestern einen Webauftritt unter http://www.lovegoeson.net , auf dem jeder Besucher zu dieser Tragödie seine Meinung und ein Bild hinterlassen kann.
Dieses halten wir erst jetzt für vertretbar. Uns war nicht daran gelegen die Ersten zu sein, sondern vielmehr sollten die Betroffenen erst zur Ruhe kommen. Viele der Besucher hatten die Situation noch gar nicht richtig realisiert. Die Emotionen waren durch die Art und Weise der Berichterstattung, der Verhaltensweise der Verantwortlichen sehr stark aufgeheizt, wie man auf den entsprechenden Internetseiten nachverfolgen kann.
Wir würden uns freuen, wenn das Angebot angenommen wird, um jetzt, mit ein wenig Abstand und mehr Hintergrundwissen, differenzierter Stellung zu beziehen. Auf eine Kommentarfunktion wurde bewusst verzichtet, dafür können einzelne Seiten in Webseiten Dritter eingebunden werden.
Bei Interesse bitte melden.
In Zusammenarbeit mit der ANROP AG wurde ein Gedenk-Clip erstellt, der kostenlos unter http://www.clipmeon.com/cosmoshop/Sonderaktionen/index.htm
zu beziehen ist. Die Auflage ist auf 1.000 Stück limitiert, Abgabe 1 Gedenk-Clip/pro
Person. Lediglich Versandkosten in Höhe von 1,00 Euro fallen an.
So, das wars, jetzt aber ab und einen neuen Text erstellen, der dann auch mit den Anforderungen konform geht.
Viele Grüsse
Robby
02.08.2010Wie alles begannAm Abend des 24.07.2010 saß ich wie (fasst) immer vor dem Fernsehen und suchte nach einem Sender, dessen Angebot mich interessieren könnte. Plötzlich vernahm ich, erst nur so beiläufig, während des Zappens durch die "Programmvielfalt", die Begriffe Loveparade, Duisburg und Tote. Wie elektrisiert schaltete ich sofort zurück und... war entsetzt. Ich wusste zwar das die Loveparade in diesem Jahr in meiner Geburtsstadt Duisburg stattfinden sollte, hatte aber auf Grund meiner musikalischen Konditionierung (eher Blues, Rock bis Metall) die Sache nicht sonderlich verfolgt. Was sich aber nun schlagartig ändern sollte: Man zeigte erste Bilder von Menschenmassen in, vor und nach einem Tunnel, der Moderator stammelte etwas von Toten und Verletzten, aber so richtig konnte er das wohl auch nicht zuordnen. Im Hintergrund wurde weiterhin nach mehr oder weniger rythmischen Beats abgetanzt, während der Moderator weiterhin einen leicht verwirrten Eindruck auf mich machte. Dann wurden im Laufe der nächsten Stunden immer mehr Szenen vom Kern der Katastrophe gezeigt und in mir keimte entsetzen, gepaart mit einer ekelerregenden Fazination, wie ich sie damals, im Mai 1985 anlässlich der Katastrophe vor dem Fussball-Europapokalspiels FC Liverpool gegen Juventus Turin im Brüsseler Heysel-Stadion verspürte. Auch da wurde die ganze Zeit mit den Kameras draufgehalten und das Ganze live übertragen. Ich sah Menschen sterben, war aber nicht in der Lage abzuschalten. Die Bilder haben sich regelrecht eingebrannt und das Gefühl der Hilflosigkeit und ein Schuldgefühl sind bis heute geblieben. Auch diesmal stellte ich mir die gleichen Fragen wie damals: ob ich mir das antun sollte, anstatt ab- oder umzuschalten, warum werden die Aufnahmen in solch einer massiven Art und Weise dem Zuschauer zugemutet, sind wir wirklich schon so abgestumpft, das wir es nötig haben in solch einer Form mit der Not und dem Leid anderer Menschen konfrontiert zu werden? Ist die Verrohung der Gesellschaft wirklich schon derart fortgeschritten, das der respektlose Umgang mit dem Leid anderer zum täglichen Brot unserer Gesellschaft geworden ist? Klar, wir werden jeden Tag, dank der immer schneller werdenden Informationstechnologien mit Unglücken, Katastrophen, Berichten von Kriegsschauplätzen und sonstigen "bad news" überfüttert. Selbst die Verkündung von Sonnenschein über mehr als 3 Wochen gipfeln in Umweltdesastern und lassen langfristig einen Weltuntergang erahnen. Alles im Namen der Information und Berichterstattung. Sicherlich werden die Aufnahmen zur Aufklärung und Ursachenforschung beitragen können, aber muss man sie immer wiederholen, zu jeder Tag- und Nachtzeit, nur um die Einschaltquoten zu erhöhen? Im Laufe der nächsten Tage gab es auch die eine oder andere Sendung, die mit diesem prognostiziertem Unglück verantwortungsvoller und informativer, den Ablauf betreffend, umging. Dafür gesellte sich eine fast gleichgültige Verantwortungslosigkeit aller maßgeblich Beteiligten, Veranstalter, Oberbürgermeister, dessen Vasallen und auch seitens der Polizeileitung hinzu.
Nun wurde die Schuldfrage zum zentralen Thema. Ob anwaltlich beraten oder mit einer Kaltschnäutzigkeit die nicht zu überbieten war wurde der Ball der Verantwortung von einem zum anderen gespielt.
Fortsetzung folgt.
|
|